Ein neuer Beitrag: „Ein Kaiser in edlem Gewand“

Fährt man jetzt im Hochsommer offenen Auges durch das Heger Holz und lässt sich auch mal von Nebenwegen verführen, dann kann man auf Lichtungen das  Glück haben, einen besonderen und sehr auffälligen Schmetterling antreffen.

Der Kaisermantel (Argynnis paphia) bevorzug Waldlichtungen und Waldränder, wenn dort Futterpflanzen zu finden sind. Besonders bevorzugt ist er an Disteln und anderen korbblütigen Pflanzen anzutreffen.

Unser Männchen auf dem Foto wählte allerdings eine solitär in der Nähe des Forsthofes stehende Pflanze, die leider nicht sehr gern gesehen wird, da sie in allen Teilen giftig ist, das Jakobsgreiskraut. Besonders Pferdebesitzer fürchten diese Pflanze, da sie auch noch bei Fütterung mit kontaminiertem Heu ihre leberschädigenden Alkaloide freisetzt.

Der Kaisermantel gehört als Edelfalter zur Gruppe der Perlmutterfalter, deren Flügelunterseiten mit perlmutterartigen Schuppen besetzt sind.

Zur Eiablage im Spätsommer dienen nach der Paarung Veilchenpflanzen (Viola silvestris, Viola palustris), in deren Nähe die Eier abgelegt werden. Da die Eiablage im Hochsommer erfolgt, wenn am Waldboden wenig Sonne zur Erwärmung einfällt, fliegt das Weibchen zunächst zur Laubkrone hinauf, um Wärme für die Eiablage im kühlen Waldschatten zu tanken. Dann fliegt es zu einer sonnenbeschienenen Stelle des Bodens und bleibt dort noch etwas zum Aufwärmen. Mit den Beinen ertastet sie im Veilchenbewuchs eine geeignete Stelle am Waldboden, um ihre Eier in Rindenritzen des Laubbaumes abzulegen. Diese Strategie hat sich im Laufe der Evolution so entwickelt, um den Jungen Raupen frisches Frühlingsgrün zu bieten (Evers, S. 73/74).

Die Raupe schlüpft erst im Frühjahr aus dem Ei und ernährt sich fortan von der Blättern des Veilchens, genau dann, wenn „am Bache die Veilchen wieder blühn“.

Unser Kaisermantel wurde also schon 2025 gezeugt und hat irgendwo unter einer Veilchenwurzel den Winter überstanden.

Auch wenn die Art nur „Geschützt“ und nicht streng geschützt ist, bereichert sie doch den Forst durch ihren gaukelnden Flug und ihre auffällige Schönheit. (Matthias Lennartz)

Literatur

  1. REICHHOLF-RIEHM, Dr. Hildegart: Schmetterlinge. Mosaik Verlag . München 1996, S. 46/47
  2. DIERL, Wolfgang: Schmetterlinge, Heimische Tagfalter und Nachtfalter. BLV. München 1989, S. 52/53
  3. GERSTMEIER, Roland/ZEPF, Werner: Schmetterlinge. Tag- und Nachtfalter. Frankh-Kosmos. Stuttgart 1992, S.31
  4. EVERS, Ute: Schmetterlinge im Garten, ansiedeln,beobachten,bestimmen. Ulmer. Hamburg 1999,S. 71 – 74.