Wenn die klimatischen Bedingungen sich so rasant verändern wie in diesem zu trockenen Sommer, dann hat die hier vorgestellte Pflanze eine gute Chance, einheimisch zu werden.
Die Rede ist von Acanthus mollis, zu deutsch „Wahrer Bärenklau“, einer Mittelmeerart, die wahrscheinlich als Zierpflanze irgendwann an das Hochbeet des Schütterhauses gesetzt wurde (Abbildung 1). Eine Wildpflanze konnte ich am 15.6. in Hossegor/ Südwestfrankreich an der Grundstücksgrenze auf dem Grünstreifen der Straße fotografieren (siehe: Abbildung 2)
Die fünf imposanten Blütenstände, die z.T. einen Meter über den Grundblättern nach oben ragen, fallen aufgrund ihrer grünlichen Färbung nur dann auf, wenn man genauer hinsieht. Als Gewächs aus der Familie der Lippenblütler lockt die hoch aufragende Pflanze allerdings viele Insekten an.
An dieser Stelle sollen nicht die auffälligen Blütenstände, sondern die Grundblätter der Pflanze zu Wort kommen. In der einschlägigen Literatur werden die Blätter so beschrieben: Die Grundblätter sind „gestielt,mit länglicher, tief fiederschnittiger, gezähnter, bis 60 Zentimeter langer Spreite“ ( SCHÖNFELDER 1999, S. 218)(Bild 3). Darin liegt das Besondere dieser nicht nur botanisch, sondern vor allem kunstgeschichtlich interessanten Pflanze.
Wildpflanze konnte ich am 15.6. in Hossegor/ SüdwestfrankreichDie Grundblätter sind „gestielt,mit länglicher, tief fiederschnittiger, gezähnter, bis 60 Zentimeter langer Spreite“
Diese Blätter sind nämlich Vorbild für die Ornamente am Kapitell der korinthischen, klassisch- griechischen Säulen, wie man sie an antiken Tempeln erkennen kann.
Ausnahmsweise soll hier ein Wikipediaeintrag (wikipedia.org/wiki/Korinthische_Ordnung) als Erklärung dieses Zusammenhangs dienen:
„Überliefert ist folgende Anekdote zur Entstehung des korinthischen Kapitells: Eine jungfräuliche Korintherin erkrankte und starb. Voller Trauer sammelte ihre alte Amme die Spielsachen, die die Verstorbene in ihrer Kindheit besonders geliebt hatte, in einen Korb und stellte diesen auf das Grab. Damit die Sachen unter freiem Himmel nicht so schnell zu Schaden kommen würden, legt die Amme eine steinerne Platte zur Abdeckung auf den Korb. Der Korb stand aus Zufall über einer Akanthuspflanze, deren Triebe an den Korbseiten emporwuchsen. Dies sah im Vorübergehen Kallimachos, ein Maler und Bildhauer aus dem 5. Jahrhundert v. Chr., und ließ sich davon zum Schaffen des korinthischen Kapitells inspirieren.“
Ornamente am Kapitell der korinthischen, klassisch- griechischen Säulen Bild 4
Nun steht unsere Pflanze nicht seit hunderten oder gar tausenden von Jahren am Schütterhaus. Irgendwann hat sie wahrscheinlich ein Schütter in seinen Garten als Zierpflanze gesetzt, ohne genau zu wissen, dass ihre Geschichte mehrere tausend Jahre bis in die Antike zurückreicht.
Auch im Raum Osnabrück kann man das Stilelement des Acanthusblattes wiederfinden, wenn man genauer hinsieht. Bild 4 ist im Museum für Industriekultur am Piesberg entstanden, Bild 5 ist ein Suchbild und lädt dazu ein, den Fundort zu suchen.
Suchbild Bild 5
Wer den Ort identifiziert hat, kann mir eine kurze Mail schreiben:
Erstellt am August 18, 2026 von admin
Ein botanisches Kleinod am Schütterhaus
Wenn die klimatischen Bedingungen sich so rasant verändern wie in diesem zu trockenen Sommer, dann hat die hier vorgestellte Pflanze eine gute Chance, einheimisch zu werden.
Die Rede ist von Acanthus mollis, zu deutsch „Wahrer Bärenklau“, einer Mittelmeerart, die wahrscheinlich als Zierpflanze irgendwann an das Hochbeet des Schütterhauses gesetzt wurde (Abbildung 1). Eine Wildpflanze konnte ich am 15.6. in Hossegor/ Südwestfrankreich an der Grundstücksgrenze auf dem Grünstreifen der Straße fotografieren (siehe: Abbildung 2)
Die fünf imposanten Blütenstände, die z.T. einen Meter über den Grundblättern nach oben ragen, fallen aufgrund ihrer grünlichen Färbung nur dann auf, wenn man genauer hinsieht. Als Gewächs aus der Familie der Lippenblütler lockt die hoch aufragende Pflanze allerdings viele Insekten an.
An dieser Stelle sollen nicht die auffälligen Blütenstände, sondern die Grundblätter der Pflanze zu Wort kommen. In der einschlägigen Literatur werden die Blätter so beschrieben: Die Grundblätter sind „gestielt,mit länglicher, tief fiederschnittiger, gezähnter, bis 60 Zentimeter langer Spreite“ ( SCHÖNFELDER 1999, S. 218)(Bild 3). Darin liegt das Besondere dieser nicht nur botanisch, sondern vor allem kunstgeschichtlich interessanten Pflanze.
Diese Blätter sind nämlich Vorbild für die Ornamente am Kapitell der korinthischen, klassisch- griechischen Säulen, wie man sie an antiken Tempeln erkennen kann.
Ausnahmsweise soll hier ein Wikipediaeintrag (wikipedia.org/wiki/Korinthische_Ordnung) als Erklärung dieses Zusammenhangs dienen:
„Überliefert ist folgende Anekdote zur Entstehung des korinthischen Kapitells: Eine jungfräuliche Korintherin erkrankte und starb. Voller Trauer sammelte ihre alte Amme die Spielsachen, die die Verstorbene in ihrer Kindheit besonders geliebt hatte, in einen Korb und stellte diesen auf das Grab. Damit die Sachen unter freiem Himmel nicht so schnell zu Schaden kommen würden, legt die Amme eine steinerne Platte zur Abdeckung auf den Korb. Der Korb stand aus Zufall über einer Akanthuspflanze, deren Triebe an den Korbseiten emporwuchsen. Dies sah im Vorübergehen Kallimachos, ein Maler und Bildhauer aus dem 5. Jahrhundert v. Chr., und ließ sich davon zum Schaffen des korinthischen Kapitells inspirieren.“
Nun steht unsere Pflanze nicht seit hunderten oder gar tausenden von Jahren am Schütterhaus. Irgendwann hat sie wahrscheinlich ein Schütter in seinen Garten als Zierpflanze gesetzt, ohne genau zu wissen, dass ihre Geschichte mehrere tausend Jahre bis in die Antike zurückreicht.
Auch im Raum Osnabrück kann man das Stilelement des Acanthusblattes wiederfinden, wenn man genauer hinsieht. Bild 4 ist im Museum für Industriekultur am Piesberg entstanden, Bild 5 ist ein Suchbild und lädt dazu ein, den Fundort zu suchen.
Wer den Ort identifiziert hat, kann mir eine kurze Mail schreiben:
Lennartz.Celle@t-online.de. Viel Erfolg !
Kleiner Tipp: Der Hausherr des Gebäudes hat fünf Gerechtigkeiten.
Literatur
Kategorie: Flora und Fauna