Matthias Lennartz nimmt uns in den nächsten Monaten mit in die spannende Flora und Fauna des Heger Holzes

Wir starten mit dem Fingerhut.

Die Lehmsenke nach einem Jahr
Lehmsenke als Nisthilfe für Rauchschwalben

Wie der Hut aufs Dach kam

Roter Fingerhut – Zeigerpflanze des Monats Juni

Wer aufmerksam auf dem Schütterhausweg in Richtung Heger Holz geht, kann auf dem Flachdach des neuen Forsthofes ein seltenes Naturphänomen beobachten.

Mittig auf dem Flachdaches recken Pflanzenstängel des Roten Fingerhutes (Digitalis purpurea) ihre roten, rosafarbenen und weißen  Blütenstände in den Himmel. Aber wie kommt der Fingerhut, der sonst nur auf Kahlschlagsflächen, an Waldrändern und Lichtungen anzutreffen ist, auf das Gründach des Forsthofes ?

Die Lösung liegt einige Monate zurück.

Am 19.Juli 2025 wurde auf dem Flachdach des Forsthofes eine extensive Pflanzenbegrünung angelegt. Auf den gut isolierten Unterbau wurde ca. 25 30 Zentimeter hoch ein Pflanzsubstrat aufgebracht, Pflanzsprossen mehrere Fetthennenarten (Sedum spec.) in das Substrat eingeharkt und  gut bewässert. Die aufgebrachten Pflanzenarten haben die Eigenschaft, selbstständig neue Wurzeln und Sprosse zu bilden und sukzessive das gesamte Dach mit einem mehrfarbigen grünen Pelz zu überziehen. Eine ökologisch und zugleich energetisch höchst effektive Alternative zu einer sonst bekannten Alternative von Bitumenschicht und Kiesschüttung. 

Aber damit ist noch nicht das Aufkommen des Roten Fingerhutes erklärt. 

Relativ spontan arbeiteten wir eine Senke von ca. zwei Quadratmetern in das Substrat, legten einen witterungsfeste Folie hinein und kleideten diese im Innern und am Rand mit Lehm aus, der durch die umfangreichen Baumaßnahmen am Forsthof seitlich abgelagert war. Ursprünglich sollte diese Lehmsenke den in der Werkstatt nistenden Rauchschwalben den Bau ihres Nestes erleichtern. Nach derzeitiger Erkenntnis haben sie das in diesem Jahr auch genutzt. Beim Einbringen des Lehmgemisches müssen  einige Samen des Fingerhutes den Weg auf das Dach gefunden haben. So kann man gut ein Jahr später die auffälligen Pflanzen auch von unten beobachten.

An dieser Stelle ist der Rote Fingerhut, der in allen Teilen hochgiftig ist, auch ungefährlich für eventuell spielende Kinder. Für die Insekten ist er allerdings ein großer Gewinn.

Die auffällige Zeichnung an der Unterlippe der Rachenblüten lockt viele Insekten, vor allem Hummeln an, die tief in die Blüte kriechen. Die auffällige Waldpflanze gelangte bereits im 16. Jahrhundert in unsere Hausgärten, wobei auch hier bereits weiße Varietäten auftraten. (Mein schöner Landgarten 6/2015, S. 18). In der Natur „mendelt“ der Fingerhut sehr stark, d.h. alle denkbaren Mischformen zwischen Rot bis Weiß treten nebeneinander auf.

In neuerer Literatur zur Unterstützung der Wildbienen wird er ausdrücklich zur Anpflanzung in Privatgärten empfohlen (Anja EDER: Wildbienenhelfer –  Wildbienen und Blühpflanzen. 2023, S. 157 (Matthias Lennartz, 10.6.2026)

Literatur

1. EDER,Anja: Wildbienenhelfer, Wildbienen und Blühpflanzen. Tipp 4 Verlag GmbH. 3. Auflage. Wuppertal 2023.

2. MEIN SCHÖNER LANDGARTEN: Wildromantischer Fingerhut. Freiburg 6/7 2015.

3. AICHELE D./SCHWEGLER H.-W.: Die Blütenpflanzen Mitteleuropas. Franckh-Kosmos. Stuttgart 1995.